#31 Eine einzige Odyssee

Was sind wir gerade zu überladen mit Eindrücken und flüchtigen Begegnungen. Ein bisschen geschafft, ein wenig ungläubig und stolz. Wie viele Tage wir schon in diesem fremden Land verbracht und was wir alles gemeistert haben! immerhin haben wir 6200 Kilometer im Linksverkehr zurückgelegt. Das hatte ich mir bestimmt anders vorgestellt. Mut wird belohnt! Wirklich?!?

Hunderte Gefühle hämmern auf meine Magengegend ein. Nicht nur, dass hinter uns ein Reisemarathon liegt. Auch die Vorstellungen der kommenden Reise durch Indochina werden für uns bald steinharte Realität. Ein zweites Mal besuchen wir Christchurch und verteilen wieder fleißig Flyer. Im Hostel klemme ich das dünne Blatt vorsichtig über den Stapel an Inseraten. An jeder Ecke sieht man Autohändler mit überfüllten Parkplätzen. Langsam beschleicht mich ein sehr stechendes Gefühl und ich stelle mir vor, das Auto am Ende nicht loszuwerden. Selbst die freundlich grinsenden Werbefiguren auf den Campervans (Live juicy) der großen Autoverleiher lösen bei mir Groll aus.

Doch vermiesen lassen wir uns die letzten Tage in Christchurch natürlich nicht. Am ersten Abend sitze ich noch fleißig am Laptop und kontrolliere die Visa für Kambodscha und Myanmar. Die richtigen Internetseiten der Länder zu finden ist das eine, die Daten alle sauber einzugeben das andere. Am besten man hat immer farbige Passbilder und den Reisepass digital parat. Das elektronische Visa ist lediglich 3 Monate gültig und kostet zwischen 30 und 50US$. Es gibt Anbieter, die den Service für unverschämte 130US$ anbieten. Da ist immer ein zweiter Blick angebracht (eigene Erfahrung!!!).

Am nächsten Tag machen wir uns am frühen Nachmittag mit den kostenlosen Mountain-Bikes des AirBnB auf den Weg in die Innenstadt und vergessen unsere Sorgen. Die Nachmittagssonne weist uns den Weg in den riesigen botanischen Garten der Stadt. Wir beobachten die üppige Vegetation und eine Entenfamilie kreuzt unseren Weg. Alles in allem ein sehenswerter Park aber nicht zu vergleichen mit Auckland, wo man sich gleich im Dschungel wähnt. Da wir keine Lampen am Fahrrad haben, müssen wir rechtzeitig mit dem Sonnenuntergang wieder heimkehren. Die Stadt ist sehr fahrradfreundlich und bietet viele Fahrradspuren – wenn da die unzähligen Baustellen nicht wären. Zu Hause angekommen holen uns wieder unsere Sorgen ein. Die Visa erreichen uns an dem Abend und lassen wieder einen leichten Glücksschimmer aufleuchten. Das Auto steht aber nach wie vor ohne neuen Besitzer da. Doch neben den Aushängen haben wir im Internet einen Steckbrief hinterlassen (backpackerboard). Schließlich erreichen wir ein paar Autohändler und vereinbaren einen Termin für die kommenden Tage. Das muss für heute aber erst einmal reichen.

Am darauffolgenden Tag gehen wir frisch ans Werk und putzen das Auto auf Hochglanz. Dann die Ernüchterung. Der Händler ist zu vereinbarter Uhrzeit nicht zugegen, dafür treffen wir seine Frau, die die Daten freundlicherweise an Ihren Mann weitergibt. 800$ lautet sein Gebot. Na prima, das hätte ich auch am Telefon klären können und lehne freundlich, aber bestimmt, ab. Wir fahren vom Hof. Vom nächsten Händler versprechen wir uns einiges mehr, wer sollte auch zu so einem hervorragenden Fahrzeug nein sagen? Zu dem vereinbarten Termin erscheinen wir pünktlich beim Händler. Doch ohne sich das Fahrzeug auch nur einmal anzusehen, werden wir sogleich auf einen Schrotthändler verwiesen. Ich spare mir an der Stelle das Angebot dort auch nur zu erwähnen.

Wir versuchen die äußerst enttäuschenden Begegnungen zu verdauen und die kommenden Tage trotz allem sinnvoll zu verbringen. Wir besuchen bei regnerischem Wetter das kostenlose Museum im botanischen Garten, erkunden die vom Erdbeben zerstörten Gebäude und fahren am vorletzten Tag zum Kiwihaus. Wir können doch nicht aus Neuseeland zurückkehren ohne die berühmten, süßen, kleinen, nachtaktiven Vögel gesehen zu haben. Nicht zu vergessen die Aale, Rehe, Papageie, Wollaby, Keas, Äffchen, Miniaturponys – um nur Einige zu nennen.

Kurze Zeit später treffen wir uns mit Warren, einem Neuseeländer aus Christchurch, der Interesse an unserem Auto hat. Wir zeigen ihm alles und schwärmen, wie gut die Ausstattung ist, doch wir kriegen ihn nicht über die magische 1000$ Grenze. Ein Wunder, dass wir nicht auf Knien flehen, da wir wirklich kurz vor der Abreise stehen und nicht wissen, was wir machen sollen. Stattdessen handeln wir und verabschieden uns wieder ergebnisoffen. Am letzten Tag erreichen uns endlich mehrere Anfragen, doch dafür ist es leider zu spät. Ein Handschlag, ein Formular und weitere 5 Minuten am Tresen der Post später, sind wir nicht mehr Eigentümer des Autos. Dafür 1000$ reicher, die wir sofort in 700US$ umtauschen. Ein bisschen sind wir enttäuscht aber die Erleichterung überwiegt an dieser Stelle und wir können uns auf den morgigen Flug nach Fidschi freuen! Das haben wir uns verdient.

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